Ausdauertraining im Profifußball: Warum Lauftraining so wichtig ist

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Im modernen Profifußball entscheiden oft Nuancen über Sieg oder Niederlage und damit auch die Ausdauer. Ohne ein hohes aerobes Leistungsniveau können Spieler das intensive Tempo kaum über 90 Minuten halten. Deshalb gehört Lauftraining ohne Ball selbstverständlich zu den wichtigsten Bausteinen der physischen Vorbereitung im Spitzenfußball.

Ein Blick auf aktuelle Bundesliga-Ergebnisse zeigt regelmäßig Spiele mit enormem Tempo, vielen Sprints und intensiven Pressingphasen. Diese Dynamik ist nur möglich, weil Profis über eine außergewöhnlich hohe Grundlagenausdauer verfügen. Spieler müssen in der Lage sein, während eines Spiels zehn bis zwölf Kilometer zurückzulegen. Oft wird diese Distanz mit explosiven Richtungswechseln und Sprints kombiniert.

Wie viel laufen Profifußballer wirklich?

Die Leistungsdaten aus der Bundesliga zeigen eindrucksvoll, wie hoch die körperlichen Anforderungen sind. Mittelfeldspieler erreichen häufig Laufdistanzen von über zwölf Kilometern pro Spiel. Außenverteidiger gehören ebenfalls zu den laufstärksten Spielern, da sie sowohl defensiv als auch offensiv ständig die Seitenlinie entlang arbeiten müssen. In der Bundesliga zeigt sich häufig, dass Teams mit hoher Laufintensität besonders erfolgreich pressen oder späte Spielphasen dominieren. Ausdauer ist somit ein zentraler Bestandteil moderner Spielsysteme. Sie ist das Ergebnis eines strukturierten Trainingsplans, der Ausdauerläufe gezielt in unterschiedliche Phasen der Saison integriert.

Die Rolle des Lauftrainings im Profifußball

Im Gegensatz zu klassischen Langstreckenläufern trainieren Fußballer ihre Ausdauer nicht ausschließlich durch lange, gleichmäßige Läufe. Stattdessen kombinieren sie verschiedene Methoden, um sowohl die aerobe als auch die anaerobe Leistungsfähigkeit zu verbessern.

 

  1. Grundlagenausdauer: Die Basis der Saison

Die sogenannte Grundlagenausdauer bildet das Fundament für jede weitere Belastung. Sie wird vor allem in der Vorbereitung und in der Off-Season aufgebaut.

 

Typische Trainingsform:

Dauerlauf: 60 Minuten

Herzfrequenz: etwa 65–75 % der maximalen Herzfrequenz

Ziel: Verbesserung der Sauerstoffaufnahme und effizientere Energiebereitstellung

 

Diese Form des Trainings verbessert die Kapillarisierung der Muskulatur und steigert die Fähigkeit des Körpers, über längere Zeit Energie bereitzustellen. Für Fußballspieler bedeutet das: Sie ermüden später und können ihre Leistung über die gesamte Spielzeit stabil halten.

 

Gerade nach der Sommerpause setzen viele Fußballteams auf längere Läufe im moderaten Tempo. Diese Einheiten finden häufig morgens statt und werden mit Krafttraining oder technischen Übungen kombiniert.

 

  1. Intervalltraining: Simulation der Spielbelastung

Während ein Dauerlauf die Basis bildet, spiegelt das Intervalltraining die Realität eines Fußballspiels besser wider. Spiele bestehen aus wechselnden Intensitäten: kurze Sprints, Trabphasen und Richtungswechsel.

 

Typisches Intervalltraining im Profifußball:

4–6 Intervalle

3–4 Minuten Belastung

Herzfrequenz: 85–90 % der maximalen Herzfrequenz

Pause: 2–3 Minuten lockeres Traben

 

Diese Trainingsform verbessert vor allem die maximale Sauerstoffaufnahme (VO₂max). Studien zeigen, dass Spieler mit einer höheren VO₂max in intensiven Spielsituationen länger leistungsfähig bleiben.

 

  1. Sprint- und Tempoläufe

Neben der Grundlagenausdauer spielt auch die Fähigkeit eine Rolle, wiederholt kurze Sprints durchzuführen. Gerade im modernen Pressingfußball müssen Spieler innerhalb weniger Sekunden beschleunigen können.

 

Typische Trainingsformen:

Wiederholte Sprints über 20–40 Meter

Kurze Pausen von 20–30 Sekunden

Serien mit 6–10 Wiederholungen

 

Diese Belastung trainiert die anaerobe Energiegewinnung und verbessert die sogenannte „Repeated Sprint Ability“ – die Fähigkeit, mehrere explosive Aktionen hintereinander durchzuführen.

 

Wann trainieren Profis ihre Ausdauer?

Die Planung der Laufbelastung hängt stark vom Zeitpunkt innerhalb der Saison ab.

 

Sommerpause

In der Sommerpause liegt der Fokus auf dem Aufbau der Grundlagenausdauer. Spieler absolvieren längere Läufe, oft im Gelände oder auf weichen Untergründen. Ziel ist es, eine stabile körperliche Basis für die kommende Saison zu schaffen. Viele Trainer setzen in dieser Phase auch auf sogenannte „aerobe Blöcke“ – mehrere intensive Laufeinheiten innerhalb weniger Tage.

 

Saisonvorbereitung

Während der Vorbereitung werden die Läufe zunehmend spielnäher. Intervalltraining, Sprintserien und intensive Spielformen ersetzen die langen Dauerläufe. In dieser Phase wird der Körper auf die tatsächliche Spielbelastung vorbereitet.

 

Während der Saison

Während der laufenden Saison reduziert sich das klassische Lauftraining deutlich. Stattdessen wird Ausdauer vor allem über Spielformen trainiert.

Typische Trainingsmethoden:

Small-Sided Games (kleine Spielfelder)

Pressingübungen mit hoher Intensität

Positionsspezifische Laufmuster

 

Regeneration und Belastungssteuerung

Ein wichtiger Bestandteil des modernen Lauftrainings ist die Regeneration. Zu intensive oder schlecht geplante Einheiten können die Leistungsfähigkeit sogar verschlechtern.

 

Deshalb wird auf umfassende Monitoring-Systeme gesetzt:

GPS-Tracking

Herzfrequenzmessung

Laktattests

Schlaf- und Belastungsanalyse

 

Auf Basis dieser Daten entscheiden Trainer und Athletikcoaches, wann ein Spieler eine intensive Laufeinheit absolvieren sollte und wann aktive Regeneration sinnvoller ist. Regenerative Läufe sind dabei ebenfalls Teil des Programms. Diese dauern meist 20 bis 30 Minuten bei einer Herzfrequenz von etwa 60 Prozent der maximalen Belastung. Oft wird hierfür auch das Fahrrad verwendet.

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